Einführung in die Geschichte des Cembalobaus in Tschechien im 20. Jahrhundert

Die führende tschechische und Weltcembalistin, Frau Prof. Zuzana Rùžièková, baute die Tradition der tschechischen Cembaloschule aufgrund langjähriger und zielstrebiger Arbeit, die schon seit 1952 datiert werden kann, auf. Dieses Musikinstrument hat mich schon seit Kindheit angesprochen und die Liebe zu ihm begleitet mich bis heute. Nach den Musikstudien begann ich mich mit dem Cembalo auch aus handwerklicher Sicht zu befassen.

Etwa in der Hälfte der 80er Jahre bat mich mein langjähriger Freund und Studienkollege Pavel Klikar, eine Kopie eines italienischen Cembalos zu bauen, das er als Basso-continuo-Instrument für sein Barockensemble benötigte. Pavel Klikar, ein ausgezeichneter Musiker, war nämlich schon damals Begründer zweier Musikorchester, die in kurzer Zeit europäisches Renommee erlangten: Originální Pražský Synkopický orchestr (Originales Prager Synkope Orchester 1974), das Traditional Jazz spielte, und Musica Antiqua Praha (1984), ein Barockensemble historischer Musikinstrumente, nach dem Vorbild der berühmten Musica Antiqua Köln, das historisch aufgeklärte Interpretationen aufführte. Nach kurzer Überlegung begann ich mit dem Cembalobau. Mit Hilfe zweier geschickter Tischler, die mir Pavel Klikar später auf meinen Wunsch herbeiführte, habe ich das gewünschte Musikinstrument 1985 fertig gestellt (dieses Instrument ist auf fünf CDs zu hören, die M.A.P. für die Firma Suprahon in den nachfolgenden Jahren aufzeichnete). Es war die erste Combalokopie, die im 20. Jahrhundert in der Tschechischen Republik gebaut wurde. Mit einem der Musikinstrumentenbauer, František Vyhnálek, habe ich an diese erste Arbeit angeknüpft und so enstand zu Beginn der zweiten Hälfte der 80er Jahre die erste tschechische Cembalowerkstatt.

Als nach mehr als zehn Jahren die Ausrichtung dieser Werkstatt von meinen Vorstellungen abzuweichen begann, beendete ich diese Zusammenarbeit und gründete 1997 gemeinsem mit zwei jungen Klavierbauern, Jan Beèièka und Stanislav Hüttl, eine neue Werkstatt. An der Wiege dieser beiden Werkstätten stand wieder der langjährige Freund und gleichzeitig mein Lehrer in dieser Profession, der führende deutsche Cembalobauer, Jürgen Ammer.


Petr Šefl

Cembalist, Restaurator, Pädagoge



Cembalowerkstatt - Jan Beèièka & Stanislav Hüttl & Petr Šefl – Bystøec

Die in der Reihenfolge zweite Cembalowerkstatt in der Tschechischen Republik wurde 1997 unter dem Firmennamen Jan Beèièka & Stanislav Hüttl & Petr Šefl, mit Sitz in Hradec Králové gegründet. Hier wurde erfolgreich mit dem Bau von Meistercembalokopien begonnen. Zwei jungen Handwerker, gestützt durch Erfahrungen ihres älteren Partners, erringen von Anfang an Anerkennung auf europäischem Niveau. In kurzer Zeit beginnt die Werkstatt auch mit der Restaurierung historischer Originale aus der Sammlung des Nationalmuseums in Prag. Das wachsende Interesse sowie die Auftragsmengen zwingen zur Erweiterung des Arbeitsumfelds. Im Jahr 2008 übersiedelte die Firma in die malerische Ortschaft Bystøec im Adlergebirge (Orlické hory). Hier werden Musikinstrumente für führende Musikinstitutionen, Musikschulen und bedeutende Interpreten, aber auch für beginnende Cembalisten und Studenten, gebaut.

Die Firma beteiligt sich regelmäßig an Musikfestivals, leiht Instrumente und erbringt Konzertservice. Auf Instrumenten dieser Werkstatt konzertieren und erstellen Tonaufzeichnungen führende tschechische und Weltkünstler. Die Werkstatt ist nicht nur für übliche Reparaturen, sondern auch für die Durchführung umfangreicher

Restaurierungsarbeiten und Rekonstruktionen sämtlicher Typen von Tastensaiteninstrumenten einschließlich wertvoller historischer Originale (siehe Kapitel über Restaurierung) ausgestattet.


Jan Beèièka /1974/

Studierte in den Jahren 1989-1993 bei der Klavierfirma Petrof in Hradec Králové (Tschechien) an der Fachmittelschule für Musikinstrumente, das Fachgebiet Kunstgewerblicher Klavierbau und absolvierte das Studium im Fachbereich Klavierbauer mit Lehrbrief und Abitur. Im Jahr 1993 begann er das Studium an der Kunstgewerbe-Mittelschule in Prag – Fachbereich Holzformung und Schnitzerei, das er 1997 mit Abitur abschloss. Bestandteil der praktischen Abiturprüfung war der Replikenbau eines pentagonalen Spinetts, inspiriert durch das Instrument von Dominicus Pisaurensis, Venedig 1540, den er geimensam mit seinem Kollegen Stanislav Hüttl realisierte.

Während des Studiums arbeitete er in den Jahren 1993-1996 in der Werkstatt von František Vyhnálek, wo er sich am Cembalobau und an der Restaurierung historischer Instrumente beteiligte.

Seine erste bedeutende Restaurierungsarbeit betraf 1997 das Hammerklavier Conrad Graf (ca. 1820), in Verwaltung des Nationalen Denkmalinstituts Pilsen, für das Schloss Kozel in Westböhmen.

Im Jahr 1997 begann er sein Studium an der Höheren Kunstfachgewerbeschule in Prag – Fachgebiet Restaurierung. Die Ausrichtung des Studiums erfüllte leider nicht seine fachlichen Erwartungen und deshalb nahm er 1998 das Angebot des Nationalmuseums - Tschechisches Musikmuseum, an. Er unterbrach das Studium und widmete sich voll der Restaurierung historischer Musikinstrumente, die für die unter der Schirmherrschaft von UNESCO 1999 veranstaltete Ausstellung „300 Jahre mit dem Klavier“ vorbereitet wurden.

Zu einem Erfahrungsaufenthalt fuhr er 1999 nach Trendelburg (Deutschland) und absolvierte hier einen Studienaufenthalt bei dem bedeutenden deutschen Musikbauer Jürgen Ammer.

Eine weitere große Herausforderung wurden für ihn die Arbeiten an der Rettung von Musikinstrumenten aus der Sammlung des Nationalmuseums – im Tschechischen Musikmuseums, die durch das katastrophale Hochwasser im August 2002 beschädigt worden waren, an deren Restaurierung er sich mit markantem Anteil beteiligt.

Jan Beèièka ist seit 2007 Mitglied des Expertenrates für Musikinstrumente des Tschechischen Musikmuseums und ist Lizentträger des Kulturministeriums der Tschechischen Republik für die Restaurierung von Kulturdenkmälern, mit Spezialisierung auf die Restaurierung von Tastensaiteninstrumenten.


Stanislav Hüttl /1975/

Studierte in den Jahren 1989-1993 bei der Klavierfirma Petrof in Hradec Králové (Tschechien) an der Fachmittelschule für Musikinstrumente das Fachgebiet Kunstgewerblicher Klavierbau und absolvierte das Studium im Fachbereich Klavierbauer mit Lehrbrief und Abitur. Im Jahr 1993 begann er das Studium an der Kunstgewerbe-Mittelschule in Prag – Fachgebiet Holzformung und Schnitzerei, das er 1997 mit Abitur abschloss. Bestandteil der praktischen Abiturprüfung war der Replikenbau eines pentagonalen Spinetts, inspiriert durch das Instrument von Dominicus Pisaurensis, Venedig 1540, den er geimensam mit seinem Kollegen Jan Beèièka realisierte.

Während des Studiums arbeitete er (1993-1996) in der Werkstatt von František Vyhnálek, wo er sich am Cembalobau und an der Restaurierung historischer Instrumente beteiligte.

Im Jahr 1997 arbeitete er gemeinsame mit seinem Kollegen Beèièka an der Restaurierung des Hammerklaviers Conrad Graf (ca. 1820), in Verwaltung des Nationalen Denkmalinstituts

Pilsen, für das Schloss Kozel in Westböhmen. Mit gemeinsamen Kräften baut er 1997 die Werkstatt für den Cembalokopienbau und die Restaurierung von Tasteninstrumenten auf.

Im Jahr 1997 begann er sein Studium an der Höheren Fachkunstgewerbeschule in Prag – Fachbereich Restaurierung. Er brach das Studium ab und nahm 1998 auch das Angebot des Nationalmuseums - Tschechisches Musikmuseum an. Er unterbrach das Studium und widmete sich voll der Restaurierung historischer Musikinstrumente für die Ausstellung „300 Jahre mit dem Klavier“.

Zu einem Erfahrungsaufenthalt fuhr er 1999 gemeinsam mit seinem Kollegen nach Trendelburg (Deutschland) und absolvierte hier einen Studienaufenthalt bei dem bedeutenden deutschen Musikbauer Jürgen Ammer.

Gemeinsam mit Jan Beèièka begann er sich auch den Arbeiten an der Rettung von Musikinstrumenten aus dem Eigentum des Nationalmuseums – Tschechisches Musikmuseum, die durch die katastrophale Überschwemmung im August 2002 beschädigt worden waren, zu widmen.

Er ist Lizentträger des Kulturministeriums der Tschechischen Republik für die Restaurierung von Kulturdenkmälern, mit Spezialisierung auf die Restaurierung von Tastensaiteninstrumenten.



Petr Šefl /1952/

Nach dem Absolutorium des Musikstudiums am Prager Konservatorium (Fächer – Klavier, Gesang), Studium des Cembalospiels bei Frau Prof. Zuzana Rùžièková. Anbindend absolvierte er eine Reihe von fachlichen und künstlerischen Studienaufenthalten: z. B. Internationale Interpretationsmeisterkurse in Zürich (Cembalointerpretation und Technische Cembaloproblematik – beim führenden schweizerischen Spezialisten Egon Wappmann). In den Jahren 1978-1979 absolvierte er das Lehrfach mit Abitur „Mechanik der Tasteninstrumente“ bei der Firma Petrof (damals Tschechoslowakische Musikinstrumente – Werk Pianos). Danach folgten fachliche Studienaufenthalte im Fachbereich Bau und Restaurierung von Tastensaiteninstrumenten in bedeutenden Werkstätten - Renate Ammer–Leipzig und weiter bei J.C.Neupert-Bamberg, Martin Skowroneck–Bremen, Robert Goble & son–Oxford. Nachfolgend kommt es zur langfristigen Zusammenarbeit mit der Werkstatt von Jürgen Ammer-Kassel. Im Jahr 1980 folgen das Absolutorium von fachlichen Konservatorkursen – Mährisches Landesmuseum in Brünn, einmonatige Studienbereisung von führenden Musikinstrumentenmuseen in Großbritannien u. a.m.

In dieser Zeit gründet er das Kammerorchester für historisch aufgeklärte Interpretation „Musica historica viva“, das er vom Cembalo künstlerisch leitet. Etwa seit 1982 beginnt er systematisch mit Reparaturen und Pflege von Konzert- und Meistercembalos in Ungarn: Liszt-Akademie der Musischen Künste - Budapest, Ungarische Philharmonie, Ungarischer Rundfunk, Vigado – Budapest. Seit 1987 arbeitet er alljährlich mit dem Internationalen Festival „Tage Alter Musik“ in Sopron zusammen, das er durch seine fachliche Arbeit die ganze Zeit sponsort. Gleichzeitig konzertiert er und repariert Cembalos in Polen, in Kakau an der Musikakademie. Im Jahr 1986 ist er an der Vorbereitung und Reparatur von 10 Cembalos für den I. Gesamtpolnischen Wanda-Landowsky-Cembalowettbewerb in Krakau tätig (wofür er mit dem Preis des Oberbürgermeisters von Krakau und des polnischen Ministeriums für Kultur und Kunst ausgezeichnet wurde) und führt zwei Konzerte im Rahmen des Festivals auf. die vom Polnischen Fernsehen aufgezeichnet wurden. Dazu kommen noch Tätigkeiten in Warschau an der F. Chopin–Musikakademie und in der Warschauer Philharmonie, und weiter an Musikakademien in Lodž, Bydgošt, Danzig u. a. m. Im Jahr 1984 folgt er einer Einladung von Prof. Paul Badura-Skoda nach Wien zu kommen, um mit ihm gemeinsam verschiedenste historische Stimmungen von Originaltasteninstrumenten aus den Sammlungen des

Kunsthistorischen Museums vorzuführen. Darauf anknüpfend folgt eine mehrjährige Zusammenarbeit.

Im Zeitraum 1986-87 führt er Generalreparuturen von Cembalos auf Kuba (Havana) und in Peru (Lima) durch, wo er mehr als einen Monat wirkt. Neben Generalreparaturen zweier Konzertscembalos der Firma Neupert, hielt er einen Vortrag über Interpretation alter Musik und konzentierte im Goldenen Saal des Nationaltheaters in Lima, bei Anwesenheit des damaligen Oberbürgermeisters von Lima und Präsidentschaftskandidaten von Peru, Barantese Lingana.

Während der gesamten Zeit hatte Petr Šefl die Gelegenheit, Cembalos für Konzerte und Aufzeichnungen einer langen Reihe tschechischer sowie führender Weltcembalisten vorzubereiten (Zuzana Rùžièková – lebenslange Zusammenarbeit, Alžbìta Stefanska, Wladyslaw Klosiewicz - Polen, Janos Sebestyen, Aniko Horvath, Borbala Dobozy - Ungarn, Keneth Gilbert, Elisabet Choinacka, Pierre Hanthai, Blandine Verlet, Raphael Puyana -Frankreich, Bob van Asperen - Belgien, Jacques Ogg, Ton Koopman, Gustav Leonhard, Richard Egeer - Niederlande, Christopher Hoogwood, Robert Wooly - Großbritannien, Ketill Hauksand - Schweden, Johann Sonleitner - Schweiz).

Seit 1987 ist Petr Šefl als Spezialist für die Pflege von Cembalos und historischen Tasteninstrumenten der Musikfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag extern beschäftigt. Im Jahre 2008 wurde er vom Ministerium für Schulwesen, Jugend und Körpererziehung in die Fachkommission für die Vorbereitung der Rahmenbildungsprogramme für Mittel und höhere musische Schulen bestellt. Gegenwärtig

ist er stellvertretender Vorsitzender zweier professioneller Vereinigungen – Gesellschaft von Konzertkünstlern und Kreis von Klavier-, Orgelmachern und Künstler-Restauratoren – beide Vereinigungen sind Mitglieder der Assoziation von Musikkünstlern und Musikwissenschaftlern der Tschechischen Republik).